Freitag, 30. August 2013

Dingo – Vergessene Erinnerungen

Unser Dicker :)


Durch die Arthrose von Laika haben wir in letzter Zeit auch immer mal wieder an Dingo und seine Arthrose denken müssen. Genau passend wurde ich durch einen sehr schönen Blogbeitrag von Clarissa über eine Begebenheit bei einer Wanderung mit Abby und Anila, an etwas erinnert, das sich mit Dingo schon vor sehr vielen Jahren zugetragen hat.
Es gibt doch einige Dinge, die ich in meinem Buch „vergessen“ habe – die werde ich immer mal wieder hier erzählen ;)

Das Erlebnis hatte ich kurz vor unserem Umzug nach Büdingen – Dingo war da schon fast 12 Jahre alt. Eigentlich war er noch sehr fit, nur manchmal – besonders beim Wetterwechsel – da merkte man schon, dass er nicht mehr so beweglich war, wie früher.

An so einem ungemütlichen Tag im Frühjahr ging ich mit Dingo und Lady eine schöne Runde über die Felder. Wie immer hüpften beide Hunde um mich herum und tollten  ausgelassen über die Wiesen. Plötzlich hörte ich einen furchtbaren Schrei – als ich mich umsah, lag Dingo auf der Seite und Lady stand neben ihm. Bis ich dort war stand er schon wieder auf den Beinen und hielt eine Vorderpfote in die Luft. Also habe ich diese gründlich abgetastet – es fühlte sich aber alles völlig normal an und auch Dingo zeigte keine Schmerzen, weder bei Druck, noch bei der Dehnung oder Beugung. Ich war der Meinung, dass er sich beim Spielen wahrscheinlich die Pfote vertreten hatte – war ja nicht das erste Mal ;)

Langsam gingen wir zurück – ich nahm extra den leichteren Weg, der uns nicht querfeldein führte, sondern auf den Feldweg, der gut befestigt war. Dingo humpelte ganz leicht – aber nicht bei jedem Schritt. Ich behielt ihn im Auge, denn ich war mir nicht ganz sicher, ob wirklich sonst nichts passiert war. So näherten wir uns dem Bauernhof – von dort war es nur noch ein Katzensprung bis heim. Ich war erleichtert … bis zu dem Moment in dem Dingo umfiel. Ohne einen Laut von sich zu geben sackte er einfach in sich zusammen. Mir wurde heiß und kalt - in meinem Kopf spielten sich in Sekundenschnelle ganz Horror-Szenarien ab.

Doch wollte ich ganz rational vorgehen. Alle Untersuchungen waren ohne Anzeichen von Problemen – ich konnte die Schultern und Ellenbogen bewegen, beugen und strecken, die Hinterbeine auch. Nur hinstellen, dass ging nicht.
Ich war kurz vor dem Verzweifeln – wie sollte ich Dingo jetzt nur heim bekommen. Sollte ich ihn hier liegen lassen und schnell heimlaufen? Würde ihm etwas passieren, während ich weg war. Ich war den Tränen nahe und konnte keine vernünftige Entscheidung treffen. Ich streichelte seinen Kopf, bat ihn aufzustehen - aber nichts passierte. Er lag da, als wollte er sich einfach nur ausruhen - ich beschloss, ihm Zeit zu geben. Aber auch nach gefühlten Ewigkeiten tat sich nichts. Da kam mir der Zufall zu Hilfe. Die Enkelkinder kamen gerade aus dem Bauernhof und liefen auf mich zu. Sie wollten Dingo und Lady begrüßen und vielleicht eine Runde mit ihnen spielen. Dingo freute sich sonst immer, wenn wir die Kinder trafen. Auch jetzt blieb er liegen und zeigt keine Reaktion. Erst wollte ich Dingo bei den Kindern lassen und meinen Mann zu Hilfe holen, da kam ich auf eine andere Idee: ich bat den Älteren der beiden, mir doch eine Schubkarre zu holen - da konnte ich Dingo hineinheben und heimbringen.
Die Beiden holten auch gleich die Schubkarre und hielten Lady fest, bis ich Dingo in die Schubkarre gehoben hatte. Ich wusste nicht, wie sollte ich ihn am besten anheben - wollte ihm und mir nicht wehtun. Es dauerte etwas, aber irgendwann hatte ich ihn dann auf dem Arm - er hing ganz schlaff da. Vorsichtig bettete ich Ihn in die Schubkarre. Die Kinder beobachteten mich ganz still. Auch sie machten sich Sorgen, denn sonst spielte Dingo immer mit Ihnen – aber jetzt schien es ihm so schlecht zu gehen. Ich nahm mich zusammen, verabschiedete mich von den Kindern, nahm die Leine von Lady und hob die Schubkarre an … da sprang Dingo raus, als wäre nichts gewesen.

Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Er sprang freudig zu den Kindern und kam zurück zu mir gelaufen, als sein eben nichts gewesen. Genau so lief er auch heim.
Der Schreck saß mir aber in den Knochen und wir fuhren sofort zum Tierarzt – der konnte aber auch nichts finden. Wir machten etliche Untersuchungen … wir spekulierten von Bandscheibe bis Schlaganfall ... alle ohne eine wirkliche Erklärung für den Vorfall zu finden
Zum Glück ist das nie wieder passiert – aber mir wurde immer etwas mulmig, wenn ich Dingo auch später noch humpeln sah.

Kommentare:

  1. Liebe Isabella,

    das klingt gar nicht gut. Jetzt hast du mein Frauchen daran erinnert, dass auch ich vor kurzem auf der Spielwiese so laut aufgeschrieen habe. Aber ich habe weder gehumpelt, noch bin ich umgefallen. Den Schreck können wir aber beide sehr gut nachvollziehen. Das Blöde ist nur, wenn der Tierarzt nix finden kann. So ging es mir, als ich von einer Ameise angepieselt wurde und durch die Gegend gehumpelt bin.

    Wuff-Wuff Chris

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    1. Es wäre manchmal so schön, wenn ihr deutlich reden könntet :) Oft sehen wir Menschen zwar eure Probleme - aber die Verbindung vom Humpeln zur Ameise, die kann dauern.

      Bei uns fliegt auch immer mal ein Hund durch die Gegend und landet etwas unsanft, sei es, dass die Kurve zu eng berechnet wurde oder beim Rennen der Blick zurück einfach dafür gesorgt hat, dass der Graben übersehen wurde. Bis jetzt hatten wir immer richtig Glück und sind von schweren Verletzungen verschont geblieben.
      Hoffentlich bleibt das auch so - bei uns und allen unseren Hundefreunden :)

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  2. Solch schreckliche Minuten kennt wohl jeder, der mit Tieren zusammen lebt und deshalb kann man Deinen Bericht (mit Gänsehaut am ganzen Körper) auch sehr gut nachvollziehen. Vor allen Dingen die Verzweiflung, die einen ergreift...

    LG und weiterhin alles Gute für Laika
    Andrea

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    1. Das Gefühl der Hilflosigkeit finde ich so grausam.
      Laika geht es relativ gut - wir sind wohl wirklich auf dem richtigen Weg. Darüber werde ich in der nächsten Woche wieder berichten :)

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  3. Oh mein Gott. Ich glaube jeder Hundehalter, der diese Zeilen liest, hofft, dass ihm nicht Selbiges passiert! Wie grauenhaft und ein Glück, dass in der Not Helfer aufgetaucht sind. Ich hätte nicht gewusst, was ich statt deiner gemacht hätte!

    Liebste Grüße

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    1. Solche Erlebnisse braucht man auch nicht wirklich. Das war lange Zeit mein Albtraum: irgendwas mit den Hunden ohne jemanden in der Nähe der helfen kann.
      Damon ist mir ja auch einmal kollabiert - zum Glück ist der relativ klein und leicht - den konnte ich tragen.
      Deswegen gehe ich (fast) nie ohne Handy aus dem Haus :)

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  4. liebe Isabella.

    da läuft es einem ja eiskalt über den Rücken, wenn man das liest!! das schlimmste an allem ist, das wir uns ja leider nicht in eurer Menschensparache ausdrücken können, denn das würde so Manches um einiges vereinfachen!!
    Hundeaugen können zwar sprechen, aber alles können wir damit auch nicht sagen!!man fühlt sich sooooo hilflos, wenn man nicht das ausdrücken kann, was man gerne möchte!!

    Ciao
    Cosimo

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    1. Das ist wirklich schade - in solchen Situationen wäre ich gerne Dr. Dolittle und würde alle Tiere verstehen können.

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  5. Hallo Isabella :)

    bei Deiner Erzählung konnte ich die Bilder richtig vor mir sehen, da wäre ich auch geschockt gewesen - zum Glück gab es ein Happy End, aber schon seltsam. Bei Menschen gibt
    es ja so ähnliches bei Krampfanfällen - aber komische Sache.

    Und apropos Arthrose und Wetterwechsel - wem sagst Du es *seufz*

    Lieben Gruß
    Björn :)

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    1. Ich war damals auf der einen Seite sehr erleichtert, als wir nichts finden konnten - wobei es mich auf der anderen Seite etwas beunruhigt hat, weil ich nie sicher sein konnte, ob es nicht wieder passiert.
      Ich hoffe, die Wetterwechsel halten sich jetzt etwas in Grenzen - Mensch und Hund leiden!! Ich sende Dir auch ein paar Besserungswünsche (Damon und Laika wollten Dir unbedingt noch ein paar Schlabberbussis schicken - bin mir aber nicht sicher, ob Du die wirklich willst)!

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  6. Das ist wirklich nicht schön, so etwas erleben zu müssen. Dass sind so Momente, wo einem das Herz in die Hose rutscht und man nicht weiss, was gerade passiert. Zum Glück passierte das nicht noch mal. Ist ja schon komisch, wenn man dann nichts feststellt.

    Liebe Grüsse
    Ramona und Rudel

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    1. Selbst heute noch - über 10 Jahre danach - wird mir immer noch anders.
      Wahrscheinlich muss man auch berücksichtigen, dass damals noch nicht so viele Diagnosemöglichkeiten zur Verfügung standen wie heute.
      Aber wir hatten ja Glück - es ist nie wieder passiert.

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  7. Als ich diese Geschichte mit der schlaffen Lähmung gelesen habe, bekam ich mein Déjà-vu.

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    1. Es tut mir sehr leid, ich wollte keine traurigen Erinnerungen wecken - aber ich glaube, im Leben jedes Hundehalters gibt es solche oder ähnliche Momente - auch diese sollten erwähnt werden.

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  8. Ufff, ein Horroszenario, das ich mir gut vorstellen kann.

    Angus wiegt 27 Kilo und manchmal frage ich mich, was ist, wenn er im Wald oder auf der Wiese nicht mehr laufen kann ? Er hat ja auch Artrose ohne Grenzen.

    Ich bin kein "ich-muss-das-Handy-mit-mir-rumschleppen-und-immer-erreichbar-sein" Typ.
    Aber ich packe es trotzdem ein, aus rein diesem Grund.

    Wie gut, dass bei euch alles noch einmal gut abgelaufen ist. Puhhhhh.

    Liebe Grüße
    Manou

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    1. Dingo hatte auch so seine 27 kg - mein Albtraum war dann später, so etwas könnte mit Lady passieren (die ja etwa das Doppelte gewogen hat). Aber das ist für mich auch ein absolutes Handy-Argument!

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  9. Liebe Isabella,
    Dein Bericht über Dingos Leiden erinnert uns sehr schmerzhaft an meine Ellbogenprobleme, die sich mit einer OP im Moment von mir verabschiedet haben, aber immer noch im Hintergrund lauern und jeder Zeit sich wieder bemerkbar machen könnten! Das ist für meine Menschen auch ein schlimmer Fragenzeichen in der Luft...
    Liebe Grüße und alles Gute für Laika
    Dein Arno

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    1. Du hast Deinen Menschen ja auch schon Sorgen gemacht - so ist das eben, wenn man euch so lieb hat :) Ich hoffe, Du hast noch sehr lange Ruhe und Deine Menschen auch.

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  10. Hallo Isabella,
    das Foto ist wunderschön, und der Bericht, wenn man am Ende angelangt ist, ebenfalls :-)
    Meine Doggen Hündin fiel mit 7 Jahren auch im Wald um, nur leider war nach kurzer Agonie ALLES vorbei. Ich heulend, mein Doggen Rüde verzweifelt, so sind wir beide heim gerannt. Nachbar nicht da. Also ins Auto, und Dogge Inka mit einer Decke zugedeckt. Daheim auf den Nachbarn gewartet, und Inka mit ihm ins Auto geladen, und heim geholt....
    Als mein Mann von der Arbeit heimkam, haben wir sie heulend begraben.
    Daran musste ich sofort denken, als ich gelesen habe, dass Dingo einfach umfiel.
    Liebe Grüße Heidi mit Schlabberbussis von Isi für Damon & Laika

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    1. Liebe Heidi,

      was für ein Albtraum, den Du erleben musstest - ich mag überhaupt nicht darüber nachdenken. Ich wüsste nicht, ob ich in dieser Situation noch fähig wäre, einen klaren Gedanken zu fassen. Es muss sehr schwer gewesen sein, Inka dort liegen zu lassen und zu warten, bis jemand Dir helfen konnte, sie heim zu holen.

      Liebe Grüße,
      Isabella

      PS: Damon und Laika erwidern nur zu gerne die Schlabberbussis für Isi

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