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Freitag, 26. April 2013

Mal was anderes – Buchrezension



Der Untertitel „Gebrauchsanweisung zur digitalen Selbstverteidigung“ hat bei mir eine Erwartungshaltung geweckt, der das Buch nicht gerecht wurde. Ich habe versucht, das Buch ganz traditionell von vorne nach hinten zu lesen – was sehr anstrengend war. Die vielen Fußnoten und ständigen Wiederholungen machen flüssiges lesen unmöglich. Vieles in dem Buch erscheint oberflächlich, anderes wieder zu detailliert – diese Mischung mag gewollt sein, ist aber für mich als Leser schwer zu verstehen. Einige sehr gute Internetadressen oder Links zu Tools sind im Fließtext versteckt – auch hier wird aber der Lesefluss unterbrochen.


Ich habe als Grundidee erkannt, dass alle möglichen Situationen in diesem Buch abgedeckt werden sollen. Die Aufteilung ist sehr strukturiert: Von der Frage „Warum unser digitales Ich bedroht ist“ über eine mögliche Problematik am Arbeitsplatz, Handynutzung, Liebesleben bis hin zu „Es ist mein Vermächtnis“ werden alle Lebensbereiche beleuchtet. Der Schwerpunkt in allen Kapiteln liegt auf sozialen Netzwerken, dem oft zu bereitwilligen Teilen von Informationen und der Sammelwut von Unternehmen. Es wird sehr gut dargestellt, welch Vorhersagen über das Konsumverhalten, Krankheiten, Interessen und Vorlieben aufgrund der von uns aufgesuchten Internetseiten und unserer Posts möglich sind. Was mir überhaupt nicht gefallen hat, war der warnende – teilweise sogar drohende Unterton, der leicht paranoid wirkt.


Die Warnungen ähneln sich immer wieder, nur die Beispiele in den Kapiteln sind unterschiedlich – manchmal sehr anschaulich und nachvollziehbar, aber oft auch sehr weit hergeholt. Es gibt Dinge, die sollte doch jeder wissen: Veröffentlichen Sie nicht ihre Sozialversicherungsnummer, fotografieren Sie nicht Ihre Kreditkarte und stellen das Bild ins Internet oder versenden Sie Ihre Passwörter nicht per Email. 


Am Ende jedes Kapitels finden sich Hinweise auf Tipps und Tricks, die dann im letzten Kapitel zusammengefasst sind. Dieses letzte Kapitel ist auch die eigentliche Anleitung – auf 31 Seiten wird ein Maßnahmenkatalog vorgestellt, von einfachen Schutzmaßnahmen für User bis hin zu sehr komplexen Möglichkeiten für Sicherheitsfanatiker. Diese Anleitung ist in 4 „Verteidigungsstufen“ gegliedert, was ich sehr hilfreich fand. Für mich sind die Stufen I und II sinnvoll dargestellt – es ist nachvollziehbar, warum ich was tun soll. Bei den Stufen III und IV ist für mich vieles zu weit hergeholt und nur für wirkliche Sicherheitsfanatiker und Verschwörungstheoretiker sinnvoll. Bei den ersten beiden Stufen habe ich doch noch einiges gefunden, was ich verbessern konnte.


Der wichtigste Hinweis  - der sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht - ist: Fake it! Wenn man schon (so blöd ist) in sozialen Netzwerken verkehrt, dann doch bitte nicht mit dem realen Namen anmelden und Wegwerf-Emailadressen benutzen. Das ist für mich schwer nachvollziehbar, wenn ich davon ausgehe, dass es im deutschen Recht (besonders für Blogger) Vorschriften gibt, die z. B. ein Impressum vorschreiben. Warum soll ich mein Google+ Profil unter falschem Namen einrichten, wenn ich auf meinem Blog alles mit meinen echten Namen tun muss?


Mein Fazit: Das letzte Kapitel als kleine Broschüre gedruckt hätte völlig genügt.

Trotzdem:
Vielen Dank an Bloggdein Buch und den Murmann Verlag für das Rezensionsexemplar!
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