Shadow starrte in ein merkwürdiges
Gesicht aus Steinen, Holz und Bart. Das musste ein Troll sein. Dieser
schaute ihn genau an und lachte dann laut: "Was haben wir denn hier
erwischt - das muss ein Wichtel sein. So klein und mickrig - der wollte
wohl vor uns warnen!" Da reichte es Shadow, es platze aus ihm heraus:
"Ich bin ein Kobold - und wenn ihr es genau wissen wollt, ich bin der
Schattenkobold - und wenn ihr mich nicht sofort runterlasst, dann wird
es euch schlecht ergehen." Aber das löste nur noch lauteres Lachen aus.
Darüber
war Shadow aber eigentlich ganz froh. Das Lachen war so laut, dass
mussten im Haus doch auch der Weihnachtsmann, Cara und der
Koboldherrscher hören. Die würden sicher gleich auftauchen und ihm
helfen ... aber nichts passierte. Der eine Troll schaute ihn jetzt noch
neugieriger an und meinte zu seinem Freund, er hätte sich den
Schattenkobold ganz anders vorgestellt. So viel Energie seiner Trolle
hätte er mit der Suche verschwendet, dabei wäre das ja nur ein Winzling,
den er einfach wegschleudern könnte. Aber vielleicht würde er ihn auch
so lange behalten, bis er die Magie der Weihnacht ganz zerstört hätte -
nur zur Sicherheit. Dann holte er aus einem Beutel einige große Steine.
Die warf er rund um das Haus des Weihnachtsmanns. Als er bemerkte, dass
Shadow ihn anschaute, erklärte er ihm: "Mit diesen magischen Steinen und
meinem Zauber werde ich eine unüberwindbare Mauer um das Haus bauen.
Alle die darin sind werden für immer gefangen sein und die
Weihnachtsmagie wird endlich aufhören!"
Shadow wurde ganz
schlecht vor Angst - es war doch seine Aufgabe das zu verhindern, wenn
er denn wirklich der Schattenkobold war. Aber er hatte keine Idee und
gerade jetzt konnte er auch keinen klaren Gedanken fassen. Ihm fielen so
viele Zauber ein, aber welcher wäre jetzt der Richtige? Es wäre
einfacher, wenn sie nicht gerade hier wären ... das war es. Er würde
sich einfach mit den Trollen an einen andern Ort wünschen. Er versuchte
sich zu konzentrieren - es musste einfach klappen. "ACOLO" - laut
sprach er es aus und er dachte an sein Heim ... aber da waren auch die
Menschen, die wollte er ja auch nicht in Gefahr bringen. Und wie immer,
wenn er abgelenkt war, klappte der Zauber überhaupt nicht.
Die
Augen von Shadow füllten sich mit Tränen - er war einfach nutzlos und
as Geschenk an ihn war reine Verschwendung gewesen. Er hatte nichts
erreicht und er konnte niemanden schützen, geschweige denn die Trolle
aufhalten. Er sah vor seinem inneren Auge den Weihnachtsmann der ihn so
liebevoll und gütig in den Arm genommen hatte. Er sah Damon, den alten
kautzigen Herrscher der Kobolde, der ihn unterrichten wollte und bei dem
er sicher noch viel über Schabernack hätte lernen können. Und er sah
Cara - mit ihrem liebevollen Blick, ihren sanften Geräuschen und dem
besonderen Geruch. Der Gedanke an sie erfüllte sein ganzes kleines
Koboldherz - niemand war ihm so vertraut und keiner hatte sich so um ihn
bemüht. Der kleine Kobold merkte, wie sich sein Herz mit diesen
Gedanken füllte ... es wurde rot und groß und es wurde warm. Der Troll
merkte das auch und ließ ihn fallen. Shadow fühle den Sturz nicht - er
dachte nur noch daran, dass Cara sich so gut um ihn gekümmert hatte.
Daran, wie verängstigt er am Anfang gewesen war und wie sie ihm half. Er
dachte an die Menschen, die so gut zu ihm waren ... und sein Herz
füllte sich immer mehr mit Liebe, bis es sogar anfing zu glühen und zu
strahlen.
Die Trolle konnten ihren Blick nicht von dem kleinen
Kobold abwenden - und sie sahen, wie sich aus ihm heraus ein rotes
Strahlen verbreitete. Über sie hinweg, über alle Berge, Seen, Wälder -
in alle Täler und Höhlen ... einmal um die ganze Welt. So plötzlich, wie
es gekommen war, endete es auch wieder. Shadow öffnete die Augen und
war ganz benommen. Er hatte keine Ahnung, was gerade passiert war. Er
sah nur die beiden Trolle vor sich, der eine hatte noch immer ein paar
Steine in der Hand. Aber er tat es nicht. Langsam sanken die Steine auf
den Boden. Die Trolle schauten einander an, als wüsten auch sie nicht,
was passiert war. Sie schauten zu Shadow, aber ganz friedlich und
neugierig: "Wer bist Du denn und was machst Du hier? Das ist doch das
Haus vom Weihnachtsmann und nur wir Trolle und die Elfen dürfen hier
sein."
Shadow war ganz überrascht, früher hatten die Trolle dem
Weihnachtsmann geholfen - aber doch schon viele Jahre nicht mehr. Hatten
die Beiden das vergessen? Während er noch überlegte, was er sagen
sollte, da tauchte der Weihnachtsmann auf und umarmte ihn. "Kleiner
Kobold, es geht Dir gut! Hast Du dieses strahlende rote Licht gesehen?
Es sah magisch aus." Dann bemerkte er die beiden Trolle und schreckte
zurück. Die beiden schauten ihn verwundert an - sie verstanden nicht,
warum der Weihnachtsmann sich vor ihnen erschrecken sollte. Sie alle
spürten, wie die Erde wieder anfing zu beben - aus allen Richtungen
kamen Trolle angelaufen und entschuldigten sich, weil sie so spät zur
Weihnachtsarbeit erschienen. Keiner wusste mehr, dass es den Streit
gegeben hatte.
Da tauchte der Koboldherrscher mit der Mutter von
Shadow auf. Auch sie hatten das magische rote Leuchten gesehen und sie
hatten es verstanden. Das große Herz von Shadow und seine Liebe hatten
das Wunder geschafft, die Prophezeiung erfüllt. Aller Groll und alles
Vergangene wurde den Trollen aus dem Gedächtnis gelöscht - dieses Jahr
konnte wird wieder ein Weihnachten voller Magie und Geschenken werden.
Shadow konnte es nicht glauben, er hatte eigentlich nichts gemacht - nur
gefühlt. Und noch immer sah er Cara nicht. Während die anderen sich
freuten und die Trolle mit den Elfen in der Werkstatt verschwanden um
die Geschenke fertig zu stellen - da wurde sein Herz schon wieder
schwer. Vielleicht war Cara doch etwas passiert, sie wäre sonst doch
sicher schon hier und würde sich mit ihm freuen.
Da hörte er es -
das sanfte Geräusch. Und er sah den Elfenstaub ... und da kam Cara, mit
den Menschen. Alle freuten sich, dass der kleine schwarze Kobold das
Weihnachtsfest gerettet hatte und Magie, die mit diesem Fest verbunden
ist. Nach dem großen Jubel und den vielen Glückwünschen hatte Shadow
endlich auch Zeit mit Cara zu sprechen. Sie war sehr stolz auf ihn und
schämte sich auch etwas. Sie hatte gedacht, er müsse so viel wie möglich
lernen und die Prophezeiung mit Hilfe der Magie erfüllen. Deswegen
hatte er so viel lernen müssen. Aber er hätte sie gelehrt, dass es Liebe
viel wichtiger ist als jede Magie.
Alle waren
glücklich und halfen jetzt mit, schnell die ganzen Geschenke einzupacken
und sie vergaßen auch nicht etwas Magie. Aber irgendwie fühlte Shadow,
dass seine Aufgabe noch nicht beendet war. Er zog sich zurück und legte
sich in den großen Sessel des Weihnachtsmanns. So schnell war alles
gegangen - in ihm wirkte die Magie noch immer nach. Sein Herz glühte
innerlich noch und wieder fühlte er die Unsicherheit. Jeder dachte, er
hätte alles gerettet, aber er fühlte, dass es noch nicht so war. Nur
konnte er nicht sagen, was noch fehlte.