Mittwoch, 22. Dezember 2021

Weihnachtsgeschichte 2021 - Teil 11

 


Shadow starrte in ein merkwürdiges Gesicht aus Steinen, Holz und Bart. Das musste ein Troll sein. Dieser schaute ihn genau an und lachte dann laut: "Was haben wir denn hier erwischt - das muss ein Wichtel sein. So klein und mickrig - der wollte wohl vor uns warnen!" Da reichte es Shadow, es platze aus ihm heraus: "Ich bin ein Kobold - und wenn ihr es genau wissen wollt, ich bin der Schattenkobold - und wenn ihr mich nicht sofort runterlasst, dann wird es euch schlecht ergehen." Aber das löste nur noch lauteres Lachen aus. 

Darüber war Shadow aber eigentlich ganz froh. Das Lachen war so laut, dass mussten im Haus doch auch der Weihnachtsmann, Cara und der Koboldherrscher hören. Die würden sicher gleich auftauchen und ihm helfen ... aber nichts passierte. Der eine Troll schaute ihn jetzt noch neugieriger an und meinte zu seinem Freund, er hätte sich den Schattenkobold ganz anders vorgestellt. So viel Energie seiner Trolle hätte er mit der Suche verschwendet, dabei wäre das ja nur ein Winzling, den er einfach wegschleudern könnte. Aber vielleicht würde er ihn auch so lange behalten, bis er die Magie der Weihnacht ganz zerstört hätte - nur zur Sicherheit. Dann holte er aus einem Beutel einige große Steine. Die warf er rund um das Haus des Weihnachtsmanns. Als er bemerkte, dass Shadow ihn anschaute, erklärte er ihm: "Mit diesen magischen Steinen und meinem Zauber werde ich eine unüberwindbare Mauer um das Haus bauen. Alle die darin sind werden für immer gefangen sein und die Weihnachtsmagie wird endlich aufhören!"

Shadow wurde ganz schlecht vor Angst - es war doch seine Aufgabe das zu verhindern, wenn er denn wirklich der Schattenkobold war. Aber er hatte keine Idee und gerade jetzt konnte er auch keinen klaren Gedanken fassen. Ihm fielen so viele Zauber ein, aber welcher wäre jetzt der Richtige? Es wäre einfacher, wenn sie nicht gerade hier wären  ... das war es. Er würde sich einfach mit den Trollen an einen andern Ort wünschen.  Er versuchte sich zu konzentrieren - es musste einfach klappen. "ACOLO" - laut sprach er es aus und er dachte an sein Heim ... aber da waren auch die Menschen, die wollte er ja auch nicht in Gefahr bringen. Und wie immer, wenn er abgelenkt war, klappte der Zauber überhaupt nicht.

Die Augen von Shadow füllten sich mit Tränen - er war einfach nutzlos und as Geschenk an ihn war reine Verschwendung gewesen. Er hatte nichts erreicht und er konnte niemanden schützen, geschweige denn die Trolle aufhalten. Er sah vor seinem inneren Auge den Weihnachtsmann der ihn so liebevoll und gütig in den Arm genommen hatte. Er sah Damon, den alten kautzigen Herrscher der Kobolde, der ihn unterrichten wollte und bei dem er sicher noch viel über Schabernack hätte lernen können. Und er sah Cara  - mit ihrem liebevollen Blick, ihren sanften Geräuschen und dem besonderen Geruch. Der Gedanke an sie erfüllte sein ganzes kleines Koboldherz - niemand war ihm so vertraut und keiner hatte sich so um ihn bemüht. Der kleine Kobold merkte, wie sich sein Herz mit diesen Gedanken füllte ... es wurde rot und groß und es wurde warm. Der Troll merkte das auch und ließ ihn fallen. Shadow fühle den Sturz nicht - er dachte nur noch daran, dass Cara sich so gut um ihn gekümmert hatte. Daran, wie verängstigt er am Anfang gewesen war und wie sie ihm half. Er dachte an die Menschen, die so gut zu ihm waren ... und sein Herz füllte sich immer mehr mit Liebe, bis es sogar anfing zu glühen und zu strahlen.

Die Trolle konnten ihren Blick nicht von dem kleinen Kobold abwenden - und sie sahen, wie sich aus ihm heraus ein rotes Strahlen verbreitete. Über sie hinweg, über alle Berge, Seen, Wälder - in alle Täler und Höhlen ... einmal um die ganze Welt. So plötzlich, wie es gekommen war, endete es auch wieder. Shadow öffnete die Augen und war ganz benommen. Er hatte keine Ahnung, was gerade passiert war. Er sah nur die beiden Trolle vor sich, der eine hatte noch immer ein paar Steine in der Hand. Aber er tat es nicht. Langsam sanken die Steine auf den Boden. Die Trolle schauten einander an, als wüsten auch sie nicht, was passiert war. Sie schauten zu Shadow, aber ganz friedlich und neugierig: "Wer bist Du denn und was machst Du hier? Das ist doch das Haus vom Weihnachtsmann und nur wir Trolle und die Elfen dürfen hier sein."

Shadow war ganz überrascht, früher hatten die Trolle dem Weihnachtsmann geholfen - aber doch schon viele Jahre nicht mehr. Hatten die Beiden das vergessen? Während er noch überlegte, was er sagen sollte, da tauchte der Weihnachtsmann auf und umarmte ihn. "Kleiner Kobold, es geht Dir gut! Hast Du dieses strahlende rote Licht gesehen? Es sah magisch aus." Dann bemerkte er die beiden Trolle und schreckte zurück. Die beiden schauten ihn verwundert an - sie verstanden nicht, warum der Weihnachtsmann sich vor ihnen erschrecken sollte. Sie alle spürten, wie die Erde wieder anfing zu beben - aus allen Richtungen kamen Trolle angelaufen und entschuldigten sich, weil sie so spät zur Weihnachtsarbeit erschienen. Keiner wusste mehr, dass es den Streit gegeben hatte.

Da tauchte der Koboldherrscher mit der Mutter von Shadow auf. Auch sie hatten das magische rote Leuchten gesehen und sie hatten es verstanden. Das große Herz von Shadow und seine Liebe hatten das Wunder geschafft, die Prophezeiung erfüllt. Aller Groll und alles Vergangene wurde den Trollen aus dem Gedächtnis gelöscht - dieses Jahr konnte wird wieder ein Weihnachten voller Magie und Geschenken werden. Shadow konnte es nicht glauben, er hatte eigentlich nichts gemacht - nur gefühlt. Und noch immer sah er Cara nicht. Während die anderen sich freuten und die Trolle mit den Elfen in der Werkstatt verschwanden um die Geschenke fertig zu stellen - da wurde sein Herz schon wieder schwer. Vielleicht war Cara doch etwas passiert, sie wäre sonst doch sicher schon hier und würde sich mit ihm freuen. 

Da hörte er es - das sanfte Geräusch. Und er sah den Elfenstaub ... und da kam Cara, mit den Menschen. Alle freuten sich, dass der kleine schwarze Kobold das Weihnachtsfest gerettet hatte und Magie, die mit diesem Fest verbunden ist. Nach dem großen Jubel und den vielen Glückwünschen hatte Shadow endlich auch Zeit mit Cara zu sprechen. Sie war sehr stolz auf ihn und schämte sich auch etwas. Sie hatte gedacht, er müsse so viel wie möglich lernen und die Prophezeiung mit Hilfe der Magie erfüllen. Deswegen hatte er so viel lernen müssen. Aber er hätte sie gelehrt, dass es Liebe viel wichtiger ist als jede Magie.

Alle waren glücklich und halfen jetzt mit, schnell die ganzen Geschenke einzupacken und sie vergaßen auch nicht etwas Magie. Aber irgendwie fühlte Shadow, dass seine Aufgabe noch nicht beendet war. Er zog sich zurück und legte sich in den großen Sessel des Weihnachtsmanns. So schnell war alles gegangen - in ihm wirkte die Magie noch immer nach. Sein Herz glühte innerlich noch und wieder fühlte er die Unsicherheit. Jeder dachte, er hätte alles gerettet, aber er fühlte, dass es noch nicht so war. Nur konnte er nicht sagen, was noch fehlte.



8 Kommentare:

  1. Die Geschichte bleibt aber wirklich bis zum Schluss spannend.
    Liebe Grüße
    Auenländerin

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    1. So solles doch sein - eine gute Geschichte zu Weihnachten muss bis zum Heiligenabend spannend bleiben!

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  2. Ach, wie schööööööön.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke, die ganz begeistert und von magischer Weihnacht erfüllt sind

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    1. Dann ist doch das Ziel schon (fast) erreicht - und morgen gibt es dann den letzten Teil der Geschichte ... und hoffentlich noch mehr magische Weihnacht!

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  3. Im ersten Teil des Beitrages musste Frauchen fast die Tränen abwischen und sie hat mit dem kleinen Kobold mitgelitten - doch zum Glück hat sich ja vieles bereits zum Guten gewendet. Wir sind ungemein gespannt was noch folgt, gluschtig gemacht sind wir jedenfalls gehörig.
    Mit winterlichen Grüssen Ayka mit Erika

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    1. Der kleine Kobold hatte es auch nicht leicht - aber als Schattenkobold muss man ja auch einiges tun ;) Ich freue mich, dass auch ihr auf den letzten Teil gespannt seid und hoffe, der Abschluss stimmt euch dann noch weihnachtlicher ;)

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